Bus fahren in Thailand

12.03.2023


Den Jahreswechsel verbringen wir in Kanchanaburi. Von hier aus wollen wir weiterreisen in die Stadt Chantaburi, im Südosten des Landes gelegen. Sie soll vom Tourismus noch nicht entdeckt worden sein. Das macht uns neugierig und wir beschließen, trotz umständlicher Anreise dieser Stadt einen Besuch abzustatten

Am Busbahnhof kümmern sich gleich 3 Ticketverkäufer um uns. Sie wollen uns die Koffer und Rucksäcke abnehmen. Diesmal lassen wir es geschehen. Man kann ja nicht jedem Menschen immer nur mit Misstrauen begegnen. Man meint es gut mit uns und bald sitzen wir auf bequemen Plätzen in einem VIP Bus, zunächst Richtung Pattaya. Nach 5 Stunden Fahrt nähern wir uns dieser an Sensationen und Superlativen reichen Stadt. An diesem Reiseziel scheiden sich die Geister: Die einen genießen die Schlemmer-,Shopping-,Strand-,Spaß und Sportmetropole, die anderen würden nie einen Fuß auf das Pflaster der Sex-, Schmuddel- und Verbrecherhochburg setzen. Wir gehören zu der letzteren Kategorie und wollen hier nur umsteigen. Leider Stau wohin das Auge blickt. Der Busfahrer lässt die Aussteigewilligen dort raus, wo sie möchten. Ein größerer Busterminal wird nicht angefahren. Wir werden unruhig, denn wir müssen für die Weiterfahrt nach Chantaburi Tickets erwerben. Wo wir umsteigen können, wissen wir nicht. Wir hoffen, dass doch noch ein Busbahnhof angefahren wird, wo sich alles organisieren lässt.

Mitten in der staubigen, von der Mittagssonne aufgeheizten Stadt hält der Bus erneut am Randstein und der windig aussehende Busbegleiter setzt seine Sonnenbrille auf, wendet sich an uns und sagt:« Here Pattaya, Pattaya, get out…you!«


Wir sind so verdattert, dass wir die Sachen zusammenraffen und aussteigen. Da stehen wir nun: am Straßenrand, irgendwo in Pattaya, keine Busstation, keine Haltestelle, ja noch nicht einmal ein Taxistand. "Jetzt fehlen nur noch ein paar Gangster, die uns ausrauben," geht mir durch den Kopf. Aber wir sind ja in Thailand, nicht in Rio.

Ein Mopedtaxifahrer, der ein Geschäft wittert, will uns für unglaublich viel Geld weiterbefördern. Wie soll das gehen mit dem Gepäck?

Der VIP Bus aus Kanchanaburi ist noch da. Gegenüber befindet sich das Hauptquartier der Busgesellschaft in einem Office. Der Fahrer ist in dem Büro verschwunden. Als er sich endlich auf seinen Sitz schwingt, fragen wir ihn: » Where do you go now?« Rayong ist das Ziel, dieser Ort liegt auf dem Weg nach Chantaburi. Alle Klamotten wieder rein ins Gepäckfach, einsteigen, dem Sonnenbrillen- Typ den geforderten Betrag zahlen und weiter geht die Fahrt. Ich seufze vor Erleichterung. Jetzt hoffen wir auf einen Busbahnhof in Rayong. Die Freude hält nicht lang an. Nach einer Stunde Fahrt schmeißen sie uns endgültig raus. Diesmal stehen wir an der Autobahn. 

Der Busbegleiter nimmt die Sonnenbrille ab, deutet auf eine Baracke mit geöffnetem Tor. Eine Frau, den Kopf gelangweilt auf den Arm gestützt, kaut Kaugummi und beachtet uns nicht. Der Bus fährt davon. Was bleibt uns übrig, als die Frau zu fragen, wo der Bus nach Chantaburi abfährt. »Here«, murmelt sie, ohne uns anzusehen. »300 Baht«. Wir hätten jede Summe bezahlt. Für 120 Kilometer knapp 10 Euro ist mehr als in Ordnung. Den 1000 Baht Schein kann sie nicht wechseln. Auf der anderen Seite der Autobahn sehe ich einen Seven/Eleven Laden, einer dieser 24 Stunden geöffneten Minimärkte, die es überall in Thailand gibt. Als ich mit Wechselgeld zurückkehre, ist der Fahrer samt Minibus aufgetaucht. Er lässt sich ohne Eile auf dem dreckigen Boden der Baracke nieder und nimmt das Mittagessen ein. Seine Frau hat sich auf das Sofa gehauen. Der Fernseher dröhnt. Der kleine Sohn schläft in ihrem Arm, während sie stumpfsinnige Quizsendungen anschaut.

Wir warten. Irgendwann lacht der Fahrer uns an: »Can we go?« Was für eine Frage. Die Fahrt dauert 3 Stunden. Der gute Mann versucht in allen Dörfern, die wir durchqueren, Passagiere zu finden, die die Kasse auffüllen. Leider vergeblich. Während wir uns Chantaburi nähern, wird unser Chauffeur immer nervöser. Er trinkt Cola, isst Schokoriegel, telefoniert und flucht unaufhörlich. Erst kurz vor dem Ziel steigen zwei Leute zu. Jetzt beruhigt er sich ein wenig.

Wir überlegen, ob wir ihn bitten sollen, uns direkt ins Hotel in Chantaburi zu bringen für Geld, damit er wenigstens die Benzinkosten decken kann. Vor Ort angekommen, reißt ein hiesiger Taxifahrer unser Gepäck an sich. Unser Busfahrer versteht kein Englisch, wir sprechen kein Thai. Schade, wir hätten dem Minibusfahrer die Extra Tour gegönnt. Heute Abend bekommt er wieder nur Reis aufgetischt.