Abreise Vietnam...Weiterreise nach Luang Prabang

06.12.2023
Happy Nikolaustag
Happy Nikolaustag

Obwohl Friedrich mit Nordic Walking Stöcken unterwegs ist, immer nur einige hundert Meter am Stück schafft, meistert er vortrefflich im chaotischen Straßenverkehr Hanois zurechtzukommen.  Anfangs warten wir wieder auf eine Lücke im Strom der vorbei sausenden Mopeds und dem zunehmenden PKW Verkehr. Nach einer Weile trauen wir uns wieder einfach loszumarschieren. Nicht rennen, keine Haken schlagen, so bleibt man für die Mopeds berechenbar. Offiziell gibt es Regeln, inoffiziell herrscht eine strenge Hierachie. Das größere Fahrzeug hat Vorfahrt. Demzufolge stehen Fußgänger an letzter Stelle. 

Fünf Millionen Krafträder dienen nicht nur der Fortbewegung, sondern auch dem Broterwerb. Es gibt nichts, was man nicht auf Scootern transportieren könnte. Turmhoch werden die Roller beladen, mit Bierkisten, Reissäcken oder lebenden Schweinen. Ganze Familien düsen durch das Viertel. Vater vorn, Mutter hinten, zwei Kinder dazwischen geklemmt. Vor Unfällen scheint hier niemand Angst zu haben. Mopedmassen gleiten wie Fischschwärme durch die Straßen. sie drängen sich knotenartig zusammen, um sich kurze Zeit später wieder zu entwirren. Leider sind sie nicht still wie Fische. Permanent wird gehupt, um auf sich aufmerksam zu machen, um zu überholen, um abzubiegen. Der Lärm greift die Nerven an. Zum Glück gibt es Oasen. In kleinen Tempeln, die es in fast jeder Straße gibt, den großen bekannten religiöse Stätten oder zuhause in unserem Apartment, dessen Balkontür mehrfach verglast ist.

Das Apartment ist in Ordnung. Die Küche können wir zwar nicht nutzen, weil sie kaum mit Geschirr ausgestattet ist. Dafür ist das Bad, modern, funktional konzipiert, das Bett bequem, mit genügend Kissen, die Friedrich als Unterlage für sein Bein braucht, Wlan einwandfrei funktionstüchtig. Für den kleinen Balkon sind die Stühle zu wuchtig. Was uns jedoch fehlt ist die gemütliche, stimmungsvolle Atmosphäre der Hang Hanh Straße, in der wir sonst gewohnt haben. "Unser" Hotel war leider ausgebucht. 

Wehmütig schauen wir nach, ob sich dort etwas verändert hat. Den Schuhputzer gibt es noch, der Buchladen mit dem Verkäufer, der uns immer ein paar Meter verfolgt hatte, um seine Bücher loszuwerden ist einem Brillenladen gewichen. Die Stimmung ist dennoch unverändert. Das nächste Mal werden wir wieder hier wohnen. In der uns bekannten Agentur gleich neben dem Hotel buchen wir den Transport zum Flughafen. Die freundliche Dame bietet uns einen Discount an, wenn wir bereit sind 2 wohlwollende Rezensionen zu schreiben. Das erledigen wir mit ihrer Unterstützung gleich vor Ort. In Zukunft wissen wir, was wir von solcherart Bewertungen halten sollen. Zum Glück stellt sich am nächsten Tag heraus, dass die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt waren. Die Dame ruft uns 15 Minuten vor vereinbarter Abreise an und bestätigt, dass der Fahrer unterwegs ist. Pünktlich um 12 Uhr mittags steht er vor der Tür und bringt uns in nur 40 Minuten zum 30 km entfernten Flughafen. 

Wir hätten den Abreisetag nicht besser wählen können. Es regnet Bindfäden. Bis 19 Uhr müssen wir uns am Flughafen rumdrücken. Die Zeit vergeht schneller als gedacht. Wir lernen einen im Schwabenländle aufgewachsenen Spanier kennen, der in England lebt, als Ergotherapeut arbeitet und weltweit mit medizinischen Prothesen handelt. Er ist auf dem Weg nach Hong Kong, fliegt dann weiter nach Taiwan und morgen zurück nach London. 

Da geht es uns als Rentner besser. Wir freuen uns auf Luang Prabang. Die Propellermaschine mit ca. 50 Passagieren hebt pünktlich ab und nur eineinhalb Stunden später werden wir von dem vorab bestellten Taxifahrer erwartet und wenig später vor dem gebuchten Apartmentgebäude abgesetzt. 

Hier ist alles dunkel. Niemand zuhause. Der Taxifahrer weiß auch nicht was los ist, er spricht sowieso kein Englisch. Da stehen wir nun mit Sack und Pack ratlos in der Gegend rum. Wir haben keine Telefonnummer und können nicht ins Internet, weil wir noch keine laotische Simkarte haben. Was sollen wir nur tun? Der Taxifahrer ist weg. Im schlimmsten Fall die erste Nacht woanders verbringen, aber woher ein Taxi nehmen. Die Straße ist wie ausgestorben. Da knattert ein Moped heran. Ein junger, fröhlicher, blonder Typ stellt sich als unser Vermieter vor. Jonas ist Schwede, lebt seit 7 Jahren mit Familie in Luang Prabang. Er führt uns durch die Wohnung im Maisonettstil. Im Erdgeschoss Wohnzimmer und Küche. Eine Etage höher das geräumige Schlafzimmer, kleine Bad und als highlight der Balkon mit Blick auf den Fluss Khan. Dass sich auf der gegenüberliegenden Flussseite eine Megabaustelle befindet nehmen wir erst am nächsten Morgen durch ohrenbetäubenden Lärm wahr.

Jonas ermuntert uns, schnell aufzubrechen, wenn wir noch irgendwo was zu essen oder trinken bekommen möchten. Hier würden früh die "Bürgersteige hochgeklappt". Wir machen uns auf den Weg. Friedrich mault rum, weil er zur Hauptstrasse ein paar Meter bergan laufen muss. Er beruhigt sich aber schnell, als wir nach wenigen hundert Metern nicht nur eine tolle, vollbesetzte Kneipe finden, sondern auch die wunderschöne Stadt in romantisches Licht getaucht, so vorfinden, wie wir sie in Erinnerung hatten. Dazu ein eiskaltes Beer Lao, noch angenehme 23 Grad um 22 Uhr. Da lacht mein Liebster und der Abend ist gerettet.